Fischmarkt
Targ Rybny
Geschichte
In der Handfeste der Rechtstadt verlieh der Deutsche Orden 1342 den Bürgern auch freien Fischmarkt, jedoch mit der Beschränkung, dass aller Fisch, der zu Markte kam, erst vor das Ordenshaus gebracht und der Herrschaft zum Kauf angeboten werden musste. Dieses Vorkaufsrecht des Danziger Ordenskonvents gab den Anlass, den Markt auf dem vor dem Ordenshaus gelegenen Platz abzuhalten, auf dem er sich noch heute befindet. Man legte ihn am Mottlauufer zwischen der Rechtstadt und dem ehemaligen Schloss an, um bequemer der Verpflichtung, dem Orden ein Vorkaufsrecht einzuräumen, nachkommen zu können.
Die Urkunde von 1342 bestimmt weiter: Man wolle eine Brücke vom Ordenshaus in die Stadt haben, auf der ein Bergfried oder Turm gebaut werden könne. Das Tor sollte unter der Gewalt der Ordensbrüder stehen, und vor dem Tor innerhalb der Stadt sollte eine geräumige Straße sein, die die Bürger mit ehrbaren, unbescholtenen Leuten besiedeln sollten.
Diese „geräumige Straße” ist verschieden gedeutet worden. Hirsch wollte sie als die Straße der Vier Dämme identifizieren, veranlasst durch die im 14. Jahrhundert vorkommende Bezeichnung einzelner Abschnitte des Dammes als „twergasse versus castrum” und den Namen des die Gasse abschließenden Haustores. Gleichwohl ist diese Annahme unrichtig, denn Damm und Haustor stießen niemals unmittelbar auf das Ordensschloss, sondern auf die Altstadt. Noch unzutreffender ist die von Köhler geäußerte Ansicht, der sich, lediglich auf dem Ausdruck „rume straße” fußend, für die Breitgasse entschied. Die Stelle kann nur auf den unmittelbar an das Ordensschloss grenzenden Fischmarkt bezogen werden, der tatsächlich mehr den Charakter einer breiten Straße als den eines Platzes hat. Er stand mit dem Ordensschloss durch ein an der Nordwestecke des Marktes gelegenes Tor in Verbindung, das noch auf einem Plan von 1608 mitsamt dem dazugehörigen Bergfried eingezeichnet ist.
Da die Stadtmauer an der Mottlau vom Krantor bis zum Ordensschloss erst 1448 erbaut wurde, war der Fischmarkt in ältester Zeit zur Mottlau hin offen. Bis zum Jahr 1482 wird in den Grundzinsregistern stets nur eines der zum Wasser führenden Tore erwähnt, anscheinend das in der Verlängerung der Tobiasgasse gelegene heutige Tobiastor, das noch 1789 „Fischertor” genannt wird. Erst 1482 wurde das „nye tor uppem fischmarkte”, das jetzige Häkertor, erbaut. Das zwischen beiden Toren liegende heutige Buttertor scheint ein erst später entstandener Durchgang zu sein; es ist zuerst auf einem Plan von 1789 mit seinem heutigen Namen eingetragen.
Ein nicht identifizierbarer Teil des Fischmarktes wurde 1645 in einer Urkunde „Hintermarkt” oder „Hinterfischmarkt” genannt. Da diese Urkunde die Sicht des Rathauses wiedergibt, könnte es sich um den Teil nahe dem ehemaligen Ordensschloss handeln.