Jopengasse
Piwna
Geschichte
Bis in das 16. Jahrhundert wird die Gasse gewöhnlich mit zur Brotbänkengasse gerechnet, doch findet sich der Name Jopengasse vereinzelt bereits seit 1449. Die heutigen Nummern 28–39 und 41–45 rechneten seit 1574 mit den anstoßenden Grundstücken der Brotbänkengasse zum Schnüffelmarkt.
Die ältere Ableitung des Namens Jopengasse von der Stadt Joppe (dem biblischen Jaffa), weil der Orden es angeblich liebte, die Umgegend von Kirchen nach biblischen Orten zu benennen, ist schon durch die Tatsache, dass der Straßenname überhaupt erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in Gebrauch kommt, als unzutreffend erwiesen.
Die Gasse gehört zu den Gewerksgassen und führt ihren Namen nach den in ihr wohnenden Jopen- oder Schopenbrauern. Deren noch heute in Danzig hergestelltes Gebräu — ehedem Jopen- oder Schopenbier genannt — erfreute sich großer Beliebtheit und wurde weithin als Schiffsbier versandt. Es handelte sich um ein schweißtreibendes, wärmendes Doppelbier mit bis zu 55 % Extraktgehalt.
Die Bezeichnung des Gewerkes als Schopenbrauer, die auch an anderen Orten vorkommt, ist zweifellos in erster Linie von schope oder schuffe hergeleitet, einer großen hölzernen Schöpfkelle, mit der das heiße Wasser über das Malz gegossen wurde. Bereits die älteste Willkür aus der Zeit von 1455–1466 bringt beide Ausdrücke in Beziehung zueinander in der Bestimmung: „Bader und Baderknechte und Schuffenbrauer sollen mit Eimern und Schuffen zum Feuer laufen."
Mit diesem Wort schope (Schöpfkelle) ist jedoch der Ausdruck jope durchaus nicht völlig gleichbedeutend. Dieser begegnet an keinem anderen Ort und wird auch in Danzig nur für das Bier und zur Bezeichnung des Gewerkes, nicht aber als Name des Gerätes gebraucht. Wenn andererseits das Getränk neben Jopenbier auch Schopenbier genannt wird, so dürfte das durch eine zweite Bedeutung von schope seine Erklärung finden: Das deutsche Jope ist ein seit dem 12. Jahrhundert aus den romanischen Sprachen eingedrungenes Lehnwort und bezeichnet ein von Männern und Frauen getragenes, anliegendes Kleidungsstück. Den gleichen Sinn hat die vom selben romanischen Stamm gebildete Nebenform Schôpe, Schoppe oder Schûbe. Die Gleichheit der Wirkung — das Bier wärmte ebenso gut wie eine Jope — war die Veranlassung, das Bier in humoristischer Weise mit dem Namen des wärmenden Kleidungsstückes zu benennen.
Dass diese Erklärung tatsächlich zutrifft, bezeugt der Humanist und Arzt Dr. Christophorus Heyl, der von 1547 bis 1551 in Danzig lebte. In der Einleitung einer von ihm besorgten lateinischen Übersetzung eines Galenschen Traktates rühmt er die Güte des Danziger Bieres und sagt: Ea (cerevisia) locis quibusdam, nam longissime avehitur, Prussiaca, quibusdam Thoracina cerevisia vocatur. — „Thorax" ist hier im ganz allgemeinen Sinn von Brustbekleidung als Übersetzung des deutschen Jope gebraucht.
In der Bezeichnung des Gewerkes als Schopenbrauer sind demnach in Danzig die beiden Stämme Schope = Schöpfgerät und Schope = Jope zusammengeflossen. In Holland wird das Wort Jope für solche Biergefäße bis heute benutzt.