Lastadie
Lastadia
Geschichte
Als ältester Teil der Vorstadt wird die Lastadie 1361 erstmals als "lastadia" erwähnt. Sie umfasste ursprünglich das gesamte an die Mottlau stoßende Gelände von der Ecke des Vorstädtischen Grabens und des Winterplatzes bis zur Thornschen Gasse. Nur die Westseite war bebaut; nach der Mottlau hin blieb sie bis Ende des 18. Jahrhunderts frei.
Die Lastadie mit ihren Anlagen diente dem Schiffbau und gliederte sich in das Kahnfeld, das Mastenfeld und die eigentliche Lastadie. Letztere reichte vom Vorstädtischen Graben bis zur Höhe des Pumpenganges. Den Raum südlich davon bis zu einer Feuergasse, die als Fortsetzung des noch heute zwischen Lastadie 24/25 vorhandenen Ganges (im 17. Jahrhundert "Freters Gang" genannt) senkrecht auf die Mottlau stieß, nahm das Mastenfeld ein. Daran schloss sich das Kahnfeld, das durch die Thornsche Gasse vom Dielenmarkt getrennt wurde.
Die Bezeichnung "Lastadie" mit der Nebenform "Lastagie" ist wahrscheinlich ein aus Flandern nach dem Osten übermitteltes Lehnwort. In seinem ursprünglichen Sinn bedeutet es Ballast; so wird es noch 1345 in Wismar in der Bestimmung gebraucht: "quod nullus projiciat lastadien in dep." In dieser Bedeutung konnte es sich jedoch nicht behaupten, weil im Niederdeutschen bereits der Ausdruck "Ballast" gebräuchlich war. Stattdessen wurde es zur Bezeichnung von Örtlichkeiten verwendet, wo anfänglich wohl Schiffe geballastet wurden. Da an derartigen Stellen naturgemäß auch Werftanlagen entstanden, wurde das Wort schließlich ganz allgemein zur Bezeichnung von Plätzen gebraucht, auf denen Schiffbau betrieben wurde.