Tagnetergasse
Tandeta
Geschichte
Zusammen mit ihrer Fortsetzung, der Neunaugengasse, wird die Tagnetergasse 1378 erstmals als "platea apud sanctum Johannem" aufgeführt. 1415 und 1416 heißt sie "Czwernegasse." Nachdem diese Bezeichnung noch im 15. Jahrhundert auf die jenseits der Breitgasse gegenüberliegende Belgardsche, heutige Zwirngasse, übergegangen war, entlehnte die Gasse ihren heutigen Namen der Neunaugengasse, für die er bereits 1415 als "Tendelmarkt" vorkommt. Eine Zeitlang wurde er anscheinend noch für beide Gassen gemeinsam gebraucht. Seit dem 17. Jahrhundert ist er in der Form "Tagnetergasse" oder "Kleine Vendet" -- zum Unterschied von der am Kohlenmarkt gelegenen "Großen Vendet" oder "Tagnete" -- in seiner heutigen Ausdehnung fest.
Was unter "Tagnete" oder "Vendet" verstanden wird, ist bekannt: Es ist der Trödelmarkt. Nicht so klar ist die Ableitung und das Verhältnis beider Ausdrücke zueinander. Frischbier führt in seinem Preußischen Wörterbuch beide auf die französische Wurzel "vendette" (Kleinverkauf) zurück, die als "wendeta" oder in gebräuchlicherer Form als "tandeta" aus dem Französischen ins Polnische überging und dann in der kaschubischen Form "tangneta" ins Deutsche Eingang fand.
Das ist aber unzutreffend. Beiden Wörtern liegen, wie sich aus der Form "Tendelmarkt" ergibt, zwei verschiedene Wurzeln zugrunde: das deutsche "Tand" (nichtiges, eitles Zeug, Trödel) und eben das französische "vendette," das daneben als Fremdwort gebräuchlich war. Letzteres findet sich zur Bezeichnung des Trödelmarktes nicht nur in deutschen Hafenstädten, sondern auch in Kopenhagen und ist wohl durch Vermittlung des Niederländischen nach dem Norden und Osten gelangt. Aus dem Deutschen sind beide Ausdrücke ins Polnisch-Kaschubische übernommen worden, und aus dem letzteren ist dann die Form "Tagnete" mit kaschubischem Nasal wieder in den einheimischen Dialekt zurückgewandert.